H6 - Wohnhaus für eine Baugruppe

„Wir wollten bei diesem Projekt mitmachen, weil es einfach anders war als das, was üblich ist …“ ARGE H6

Arge H6 Architekten, roedig . schop architekten, sieglundalbert ges. von architekten
10963 Berlin
Deutschland

Galerie

Die Fahrgäste der Berliner Ringbahn, eigentlich an Überraschungen aller Art gewöhnt, verdrehen seit einer Weile ihre Köpfe, wenn der Zug Richtung Südwesten kurz hinter dem Volkspark Humboldthain an einem Neubau vorbeifährt, der sich mit scharfer Kante an die Gleise schiebt. Ganz schön gewagt. Das Wohnhaus für eine mutige Baugruppe ist auf einem Grundstück entstanden, das mit seinem dreieckigen Zuschnitt und der Lage direkt an der S- und Fernbahntrasse als einigermaßen schwierig gelten darf. Es bedurfte eines beherzten planerischen Zugriffs, um hier insgesamt 36 Wohneinheiten mit 60 bis 115 Quadratmetern Wohnfläche zu schaffen. Die Lösung bot ein sechsgeschossiger, expressiv geformter Baukörper mit einem trapezförmigen Grundriss. Er grenzt sich mit einer robusten Front nach Norden hin ab und sorgt dafür, dass auf der Südseite ein schöner Garten angelegt werden konnte. Auch die Wohnungen wurden dieser Nord-Süd-Ausrichtung gemäß angelegt und auf der Sonnenseite mit Loggien ausgestattet, die zudem einen unverstellten Blick in den baumreichen Volkspark bieten. Die Wohnungsgrundrisse basieren auf einem Achsraster von 3,16 Metern und wurden platzökonomisch so konzipiert, dass sich jeweils zwei Wohnungen über ein gemeinsames Treppenhaus erschließen lassen. Jede Wohnung besteht aus zwei Achsen mit individuellen Zimmeraufteilungen. Der hohe Vorfertigungsgrad rechtfertigt das Prädikat „Moderner Plattenbau“. Denn die hohe Lärmbelastung durch die nahe Gleisanlage ließ sich nur über eine vorgefertigte Beton-Sandwichfassade mit hoher Schallschutzqualität kompensieren. Die anderen Vorteile liegen auf der Hand: Für jede Etage war nur eine Woche Bauzeit nötig, und nach Fertigstellung des Rohbaus präsentierte sich das Gebäude bereits mit der fertigen Betonfassade. Die Gestaltung korrespondiert mit der Funktionalität und Wirtschaftlichkeit des Bauwerks und beschränkt sich auf das Zusammenwirken von Beton, Metall und Holz, die jeweils in verschiedenen Grautönen changieren. Der Luftwechsel wird über die in den Laibungen der Fenster angeordneten schallgedämmten Außenluftdurchlasselemente sowie die zentrale Abluft der innen liegenden Bäder gewährleistet. Die thermische Hülle erfüllt damit bereits die Anforderungen der EnEV 2014. Das begrünte Dach dient zum einen als Retentionsfläche und zum anderen als gemeinschaftliche, barrierefreie Panoramaterrasse mit freiem Blick über Berlin.