K47 - Wohnen in der Kirche - ein Baugruppenprojekt

„Wir glaubten an das Potenzial dieses ungewöhnlichen Projektes und ließen uns auch durch bürokratische Unwägbarkeiten entlang des Weges nicht davon abbringen.“ Planungs- und Baugemeinschaft K47 GbR

sieglundalbert Gesellschaft von Architekten mbH
10965 Berlin
Deutschland

Galerie

Glaube hat dieses Gebäude von jeher getragen. Schließlich diente das Wohnhaus am südwestlichen Rand des Berliner Bezirks Kreuzberg bis vor wenigen Jahren als Kirche. Und als nach deren Profanierung die Idee entstand, im Gemäuer des ehemaligen Sakralbaus aus den 1960er-Jahren Wohnungen für eine Baugruppe zu errichten, war angesichts der zahllosen bürokratischen Hürden, zähen Verhandlungen und einer langen Zeit der Ungewissheit in der Tat ein gehöriges Maß  an Gottvertrauen nötig. Doch die Umwandlung ist geglückt. Es kam der geplanten Nutzung als Wohnhaus zugute, dass die Liegenschaft über ein funktional differenziertes Raumangebot verfügte, das neben dem Kirchensaal auch verschiedene Bereiche für Gemeindeleben, Verwaltung und Veranstaltungen umfasste. Beste, wenngleich komplexe Voraussetzungen also, um durch beherzte Intervention ein Zuhause für 23 Menschen zu schaffen. Die im Zuge der Revitalisierung entstandenen acht Wohneinheiten verteilen sich auf den Bestandsbau sowie einen ergänzenden zweigeschossigen Neubautrakt an der Südseite des Gebäudes und eine Dachaufstockung. Der vorhandene Baukörper in seiner sch n-strengen, sehr plastischen Gestalt diente als ästhetische Determinante für den Entwurf der Erweiterungen. Seine schlichte Architektursprache – helle Putzfassade, weiß gefliester Campanile, elegante, ins Vertikale orientierte Proportionen – prägt auch die Ergänzungen sowie die Gestaltung der Innenräume. Der neue Annex, der an der Südseite den früheren Zugangsbereich zum Kirchenraum ersetzt, wurde nach dem Vorbild des ehemaligen Glockenturms als losgelöster Kubus ausgeführt. Er bietet Fläche für Terrassen mit Blick in das rückwärtige, stille und grüne Blockinnere. Der vorgesetzte, hohe Turmquader an der in der Bauflucht zurückspringenden Hauptfassade dient jetzt der Erschließung des Gebäudes. Neu und alt bilden nach dem Umbau ein integriertes Gefüge, das die Charakteristik des Sakralbaus atmosphärisch durchscheinen lässt, vor allem im Bereich des ehemaligen Kirchenschiffs. Dort lassen die massiven Betonträger auf frei stehenden Stützen, die lichte Raumhöhe ebenso wie die schmalen, hohen Fenster auf die frühere Nutzung schließen.