K47 - Wohnen in der Kirche

Glaube Planung Wohnung

Glaube hat dieses Gebäude von jeher getragen. Schließlich diente das Wohnhaus am südwestlichen Rand des Berliner Bezirks Kreuzberg bis vor wenigen Jahren als Kirche.

Nach der Profanierung entstand die Idee, im Gemäuer des ehemaligen Sakralbaus aus den 1960er-Jahren Wohnungen für eine Baugruppe zu errichten, war angesichts der zahllosen bürokratischen Hürden, zähen Verhandlungen und einer langen Zeit der Ungewissheit in der Tat ein gehöriges Maß an Gottvertrauen nötig. Doch die Umwandlung ist geglückt. Es kam der geplanten Nutzung als Wohnhaus zugute, dass die Liegenschaft über ein funktional differenziertes Raumangebot verfügte, das neben dem Kirchensaal auch verschiedene Bereiche für Gemeindeleben, Verwaltung und Veranstaltungen umfasste. Beste, wenngleich komplexe Voraussetzungen also, um durch beherzte Intervention ein Zuhause für 23 Menschen zu schaffen.

Anzahl Wohneinheiten8
Wohnfläche1.060 m²
StandortBerlin (D)
BauherrschaftPlanungs- und Baugemeinschaft K47 GbR
Award-KategorieRevitalisierung
Planungsbürosieglundalbert Gesellschaft von Architekten mbH
Zum Profil
Fotografieschnepp renou, Till Budde
Wir glaubten an das Potenzial dieses ungewöhnlichen Projektes und ließen uns auch durch bürokratische Unwägbarkeiten entlang des Weges nicht davon abbringen.

Planungs- und Baugemeinschaft K47 GbR

Die im Zuge der Revitalisierung entstandenen acht Wohneinheiten verteilen sich auf den Bestandsbau sowie einen ergänzenden zweigeschossigen Neubautrakt an der Südseite des Gebäudes und eine Dachaufstockung. Der vorhandene Baukörper in seiner schön-strengen, sehr plastischen Gestalt diente als ästhetische Determinante für den Entwurf der Erweiterungen. Seine schlichte Architektursprache – helle Putzfassade, weiß gefliester Campanile, elegante, ins Vertikale orientierte Proportionen – prägt auch die Ergänzungen sowie die Gestaltung der Innenräume. Der neue Annex, der an der Südseite den früheren Zugangsbereich zum Kirchenraum ersetzt, wurde nach dem Vorbild des ehemaligen Glockenturms als losgelöster Kubus ausgeführt. Er bietet Fläche für Terrassen mit Blick in das rückwärtige, stille und grüne Blockinnere. Der vorgesetzte, hohe Turmquader an der in der Bauflucht zurückspringenden Hauptfassade dient jetzt der Erschließung des Gebäudes. Neu und alt bilden nach dem Umbau ein integriertes Gefüge, das die Charakteristik des Sakralbaus atmosphärisch durchscheinen lässt, vor allem im Bereich des ehemaligen Kirchenschiffs. Dort lassen die massiven Betonträger auf frei stehenden Stützen, die lichte Raumhöhe ebenso wie die schmalen, hohen Fenster auf die frühere Nutzung schließen.

Impressionen