Neubau am Pfälzer Platz

„Früher stand hier das schönste Haus von Alte Neustadt. Jetzt, so meine Meinung, steht hier wieder das schönste Haus in unserem Stadtteil.“ Helmut Mittank Historiker

Wohnungsbaugenossenschaft Magdeburg-Stadtfeld eG
39106 Magdeburg
Deutschland

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Manchmal wird eine Wunde erst spürbar, wenn sie geheilt ist. So ähnlich könnte man die Genesung beschreiben, die mit dem Neubau eines Wohnhauses im Magdeburger Stadtteil Alte Neustadt abgeschlossen ist. Im Zweiten Weltkrieg hatte ein Bombentreffer die prominente Ecke schwer beschädigt; nach dem Abriss der Ruine gähnte mehr als 70 Jahre eine Brache. Das neue Gebäude ist indes mehr als ein Lückenschluss, sondern eine profunde Reparatur des städtischen Gewebes an einem zentralen Ort. Der Pfälzer Platz, der als Kreuzungspunkt von fünf Straßen einen Verkehrsknotenpunkt bildet, liegt zwischen dem Campus der Universität Magdeburg, einem Park und einem hoch verdichteten Wohnquartier. Das Wohnhaus schiebt sich wie ein Schiffsbug auf den Pfälzer Platz und schließt die vormals unterbrochene Straßenflucht wieder zusammen. Der sechsgeschossige Baukörper mit 29 Wohneinheiten verschafft sich mit seiner an Erich Mendelsohn geschulten, dynamisch gerundeten Form und einer eigenwilligen Fassadengestaltung eine bemerkenswerte Präsenz. Die repräsentative Qualität korrespondiert freilich mit den inneren Werten. Die nach Süden und Westen ausgerichteten Wohn- und Essbereiche ebenso wie die verglasten Loggien mit ihrer Trespa-Verkleidung in Holzoptik öffnen sich zur Stadtöffentlichkeit, während die Schlaf und Rückzugsbereiche auf der nach Norden orientierten Hofseite angeordnet sind. Vorbildlich ist auch die Vielfalt der durchweg barrierefrei konzipierten Wohnungszuschnitte. Neben familientauglichen 4-Zimmer-Einheiten gibt es auch kleine Studio-Apartments, die ihre Zielgruppe im nahen Universitätscampus finden dürften. Das konstruktive Prinzip ist eine Schottenbauweise, bei der die quer zur Fassade liegenden Wohnungstrennwände die tragende Struktur bilden. Die Fassade konnte daher frei von statischen Funktionen frei gestaltet werden. Durch die unterschiedlich dimensionierten, vor- und zurückspringenden Loggien und Balkone kommt Bewegung in die Fassade – und damit auch in den Stadtraum. Chapeau!