Sonnenhof

„Architektur ist Neugier. Neugier an der Vergangenheit und auf das Weiterdenken in die Zukunft. Unter dieser Prämisse entwickeln unsere Gebäude eine zeitgenössische Haltung, um die Potenziale des Ortes zu erforschen.“ J. MAYER. H. Architekt

J. MAYER H. und Partner, Architekten mbB
10623 Berlin
Deutschland

Galerie

Die traditionsreiche Universitätsstadt Jena in Thüringen gehört zu jenen Standorten in Ostdeutschland, die mit ihrer Wirtschaftskraft eine ganze Region beleben und viele neue Bewohner anziehen. Mit dieser wiedergewonnenen Attraktivität kann der lokale Wohnungsbau kaum Schritt halten. Umso erfreulicher daher die Entscheidung, das Stadtzentrum auch als Wohnort zu stärken und dringend benötigte Wohnungen dort zu errichten, wo sich bislang nur Handel, Büros und Gewerbe konzentrieren. In den besten Lagen Jenas sind bis heute die Verluste zu spüren, die der Zweite Weltkrieg hinterlassen hat. Doch auch wenn von der einstmals kompakten historischen Bebauung lediglich Reste erhalten geblieben sind – sie lassen auf eine stolze städtische Vergangenheit schließen. Man muss daher zunächst den Mut zur Kenntnis nehmen, mit dem sich der neue Sonnenhof, ein mächtiges Ensemble aus vier prismatisch verkanteten Baukörpern, in das versehrte städtebauliche Gewebe drängt. Dass sich der Neubau als sensible Annäherung an seine Umgebung versteht, wird auf den ersten Blick nicht sofort sichtbar. Dafür sorgt vor allem seine architektonische Präsenz, die sich mit dem eigenwilligen Zuschnitt der Gebäude und ihrer athletischen Fassadengestaltung dezidiert vom Vorhandenen absetzt. Doch strukturell dient der durchlässige, einen halböffentlichen Raum umschließende Komplex als direkte Verbindung vom Stadtbahnhof ins Zentrum. Dass anstelle eines geschlossenen Volumens vier Einzelbauten entstanden, verdankt sich einem schlichten Prinzip: Je kleinteiliger die Bebauung, umso besser kann sie die an sie gerichteten Erwartungen erfüllen. Der Sonnenhof ist Büro- und Verwaltungsliegenschaft, Einzelhandelsadresse und Wohnort zugleich. Die insgesamt 29 unterschiedlich großen Wohnungen spiegeln auf Grundrissen mit bis zu 120 Quadratmetern die polygonale Kubatur der Baukörper wider. Die unregelmäßige Anordnung der antagonistisch verschraubten Gebäude ergab sich aus den baurechtlichen Vorschriften für Abstandsflächen und Brandüberschlag. Nicht zuletzt dadurch überraschen die Wohnungen mit ungewöhnlichen Blickbeziehungen.