Vier Gewinnt – 4 Reihenhäuser am Franzenbrunnen

„Ihr mit euren Hipsterfenstern! Wenn der Zimmerer die Kettensäge aus- packte, gab’s einen Änderungswunsch der Familie. Die Bretterbuden sind halt sauschnell fertiggestellt …“ Baugruppe August-Macke-Straße 1, 3, 5, 7, Saarbrücken

Architekt Erdudatz (stellvertrend für Baugruppe 4 privater Bauherren: Familie Schäfer-Werwie / Familie Freichel / Familie Adam / Familie Schmitt Walther)
66119 Saarbrücken (Saarbrücken)
Deutschland

Galerie

Das Eigenheim in Gestalt eines Reihenhauses erweist sich dank seines sozialen und baulichen Verdichtungstalents nicht nur als stadttaugliche Wohnform, sondern sorgt mitunter sogar für architektonische Überraschungen. Über den landläufigen Vorwurf der unscheinbaren Langeweile sind die vier Reihenhäuser am Franzenbrunnen im Südwesten Saarbrückens jedenfalls erhaben. Denn hier entstand für eine Baugruppe aus vier befreundeten Familien ein Ensemble, das strukturell zwar die Typologie Reihenhaus bedient, doch gestalterisch sozusagen aus der Reihe tanzt, ohne sich selbstgefällig in Pose zu werfen. Die Häuser bieten jeder Familie ein individuelles, behagliches Dach über dem Kopf und überzeugen mit hoher Wohnqualität und einer vorbildlichen Energiebilanz. Diese Vorzüge sind noch erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass nur ein verhältnismäßig geringes Budget zur Verfügung stand und sich alle Bauherren auf eine schlichte Brettsperrholzkonstruktion sowie eine Lowtech-Ausstattung einigen mussten. Wer dabei an Hütten denkt, muss angesichts der hellen, großzügig geschnittenen Räume und der modernen Grundrisse zugeben, dass ökologisches Bauen in der Verbindung von traditionellen Materialien und moderner Planung sehr zeitgemäße Häuser hervorzubringen vermag. Die hausübergreifend homogene Konstruktion aus Brettsperrholz kommt auch als gestalterische Einflussgröße zum Tragen: Wände und Oberflächen wurden nicht verkleidet, sondern geben sich als hölzerne Strukturen zu erkennen. Alle Bauteile wurden als vorgefertigte Elemente zur Baustelle geliefert und dort von den Zimmerleuten in kürzester Zeit montiert. Von der Energiebilanz der Gebäude waren Architekt und Nutzer gleichermaßen beeindruckt: Das eigentlich nach KfW-55-Standard ausgewiesene Ensemble erfüllt praktisch die strengen Kriterien eines PlusEnergie-Hauses, erzeugt also dank Fotovoltaikanlage und einer effizienten, um Infrarotheizflächen ergänzten Holzofenheizung mehr Energie, als es selbst verbraucht. Da sage noch einer: Bretterbude!